Samstag, 24. November 2012

Patrice Leconte - Heute wegen Glück geschlossen

Ein Zufallstreffer...

„Heute wegen Glück geschlossen“ ist mir wegen seiner liebevollen Gestaltung ins Auge gestochen. Es war also auf keiner Wunsch- oder Suchliste sondern einfach ein Spontankauf, den ich nicht bereut habe. Ich bin sogar noch einmal zum Buchladen zurück gegangen, um es zu kaufen. Die Geschichte interessierte mich schon deshalb, weil sie in Paris spielt. Da Paris meine Lieblingsstadt ist, war das natürlich ein weiterer Kaufgrund.



Zum Inhalt: 

Thomas ist ein etwas eigenwilliger junger Mann von 26 Jahren, der als Verkäufer in einer Papeterie arbeitet und der ganz bestimmte Vorstellungen von seiner Frau fürs Leben hat. Das Wichtigste von allem: Sie soll kurze, braune Haare haben. Er findet kurze Haare einfach schön. Kein Wunder also, dass er einer Traumfrau (zu diesem Zeitpunkt eher noch ein Traummädchen um die 17 Jahre), die er durch Zufall in der Métro sieht, den ganzen Tag hinterher läuft. Er findet den Mut, sie anzusprechen und ihr zusagen, dass sie wunderschön ist. Colette wundert sich über Thomas und bedankt sich bei ihm. Er geht weg und sieht sie erst ein Jahr später, an seinem Arbeitsplatz. Wieder bleibt es bei der kurzen Begegnung, bei der er ihr eine Postkarte schenkt mit seinem Lieblingsgemälde darauf - einem Blick auf die Seine und das Kaufhaus Samaritaine.

Etwa zu diesem Zeitpunkt beschließt er, dass er seine Frau fürs Leben innerhalb der nächsten drei Jahre finden und heiraten wird. Und er beschließt auch, das Leben zu genießen. Nach einiger Zeit erhält er die Postkarte von Colette zugeschickt, die sich auf eine dritte Begegnung freut. Doch wann wird sie stattfinden, und wo?

Paris - Place des Vosges-
 Sommer 2007
Meine Bewertung: 

Thomas ist zeitweise schon wirklich ein komischer Kauz, was aber nicht weiter verwundert, denn in seiner Familie sind alle etwas eigenartig, mit Ausnahme der Schwester, Francine. Sie scheint ein ganz normales junges Mädchen zu sein. Seine Mutter ist ständig der Meinung, dass sie die nächste Woche nicht erlebt. Der Vorteil: Sie lebt jeden Tag ihres Lebens sehr intensiv. Der Nachteil: Sie ist denkt, dass sie ihr erstes Enkelkind nie kennenlernen wird, denn in einer Woche kann das ja nicht klappen. Sein Vater ist Tierarzt - ein frustrierter Tierarzt, der eigentlich exotische Tiere wie Löwen und Elefanten behandeln will, wozu er als Dorftierarzt natürlich nicht die Chance hat.

Thomas ist fixiert auf die Frau seiner Träume. Ihm ist ganz klar, dass es nur eine Frau mit kurzen, braunen Haaren sein kann. Warum? Die Erklärung leuchtet ein: Frauen mit langen Haaren sind nicht so selbstbewusst, sie verstecken ihr ich hinter den langen Haaren, in denen sie das Attribut für die Weiblichkeit sehen. Thomas hingegen findet Frauen mit kurzen Haaren sexy und ist sogar der Meinung, unterscheiden zu können, ob eine Frau seit langem oder erst seit kurzem die Haare abgeschnitten hat.

Auf seiner Suche nach dieser einen Frau lernt Thomas einige interessante Frauen kennen und verbringt seine Zeit mit ihnen, aber irgendwie ist keine von ihnen die richtige für ihn, denn er bekommt nie ganz den Gedanken an Colette aus dem Kopf. Sein Freund André erklärt ihn zuletzt bald für verrückt, als Thomas seine Kollegin ungehindert heiraten lässt, eine tolle Frau, die nichts lieber hätte als kurze Haare - aber ihr Verlobter mag nur lange Haare. Ob er nun tatsächlich die Chance auf "die Frau" verpasst hat? Oder begegnet er Colette vielleicht doch noch ein drittes Mal?

Das Buch ist mit seinen knapp 200 Seiten schnell zu lesen und ich musste das eine oder andere Mal über Thomas schmunzeln. Ein bisschen verwirrend finde ich allerdings die Sprünge in der Geschichte. Nach der ersten Begegnung mit Colette ist plötzlich ein Jahr vergangen - was sich noch erschließt, denn es wird ja erwähnt - und Thomas ist bereits 27. Mit 27 beschließt er, in den nächsten drei Jahren bis zu seinem 30. Geburtstag die Frau fürs Leben zu finden und zu heiraten. Die Handlung läuft normal weiter, und man hat das Gefühl, immer noch in seinem 27. oder 28. Lebensjahr zu sein, aber plötzlich heißt es, es sind nur noch drei Wochen bis zu seinem 30. Geburtstag. Irgendwo sind mir da 1-2 Jahre unterwegs verloren gegangen. Aber egal, das tut dem Lesegenuss keinen Abbruch. Ich konnte mich sehr gut in die Umgebung versetzen und war fast neidisch, wenn Thomas in einer kleinen Brasserie saß.

Wer ruhige Klänge und zarte Liebesgeschichten mag, ist hier absolut richtig. Es gibt natürlich auch noch eine Überraschung. Und für Fans von Paris kann ich "Heute wegen Glück geschlossen" sowieso empfehlen.

Paris - Notre Dame - im August 2007
Am besten mit einem Croissant und einem Café avec lait auf der Couch genießen bei fiesem Schmuddelwetter draußen - also zum Beispiel jetzt. :-)   

Deborah 

Infos zum Buch:

Bastei Lübbe
Hardcover, 206 Seiten 
Ersterscheinung: 25.11.2011
ISBN: 978-3-431-03846-0

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