Sonntag, 21. Februar 2016

Andy Jones - Zwei für immer

Erstmal, rein aufgrund des Äußeren, Liebe auf den ersten Blick. Hm, eine Liebesgeschichte, von einem Mann geschrieben? Ich war gespannt und wurde in diesem Fall nicht enttäuscht. Ich möchte euch Andy Jones Roman „Zwei für immer“ vorstellen – ein Buch, das mehr zu bieten hat als den zweifellos schönen Einband.


Darum geht es:

Ivy und Fisher sind erst seit zwei Wochen zusammen und genießen den Rausch der ersten Verliebtheit. Sie haben eine tolle Zeit und überlegen sich so langsam, ob vielleicht mehr daraus werden könnte als nur Spaß und Sex. Doch das Leben pfuscht dazwischen und nimmt ihnen die Entscheidung ab: Ivy ist schwanger. Da Ivy und Fisher sich sehr mögen, beschließen sie, ein Leben zusammen zu riskieren – mit allen Höhen und Tiefen. Doch schon bald merken beide, dass der Alltag ganz schön anstrengend ist, umso mehr, wenn man sich eigentlich noch gar nicht richtig kennt und der Altersunterschied auch eine Rolle spielt. Ivy ist 9 Jahre älter als Fisher.

Fisher beginnt zu zweifeln, ob Liebe ausreicht und all die Unterschiede ausgleicht. Aber er hat auch andere Sorgen. Als Regisseur bekommt er nur Aufträge für Werbefilme, was zusätzlich an seinem Ego kratzt. Außerdem belastet ihn die Sorge um seinen besten Freund El, den die Huntington-Krankheit immer mehr schwächt. Als das Schicksal ein zweites Mal zuschlägt, ist es an der Zeit, sich zu entscheiden über den zukünftigen Weg...



Meine Bewertung:

Die Liebesgeschichte von Ivy und Fisher mit allen Höhen und Tiefen hat mich sehr berührt. Bis zum Ende des Buches bleibt man wirklich im Ungewissen, ob die beiden zusammen bleiben. Es ist eine reine Achterbahnfahrt der Gefühle, zwischen Liebe und Abneigung, Wut und Gleichgültigkeit und Freude und Trauer. Alle Aspekte erleben Ivy und Fisher innerhalb weniger Monate – der kurzen Zeitspanne zwischen Kennenlernen und Familie sein.

Teilweise merkt man den Altersunterschied der beiden doch. Während Ivy selbstbewusst und erwachsen ist, kommt Fisher – trotz der Tatsache, dass er auch schon über 30 ist – immer noch manchmal etwas unreif herüber. Er möchte zwar einerseits Verantwortung tragen, ist sich aber nicht sicher, ob er damit klar kommt.

Dabei hat es Fisher eigentlich ganz gut erwischt. Bei seinen Freunden El und Phil sieht die Lage ganz anders aus. Denn die beiden wissen ganz genau, dass ihnen nicht mehr viel Zeit zusammen bleibt. El wird zusehends schwächer und abwesender, was zur Belastungsprobe für Phil wird. Es ist schön, wie Fisher und Ivy versuchen, Phil etwas zu entlasten und El Freude zu machen, so lange das noch möglich ist.

Meine Lieblinge in dieser Geschichte sind aber ein ganz anderes Paar: Esther und Nino. Das ältere Ehepaar lebt im Haus, in dem auch Fisher wohnte, bevor er mit Ivy zusammen zog. Esther ist für Fisher zu einer Art Ersatzmutter geworden. Und so hat sie immer einen guten Rat für Fisher, auch in Beziehungs-Krisenzeiten:

„Versucht nicht, auf Teufel komm raus ein perfektes Paar zu sein, mein Lieber. Kommt euch nicht gegenseitig in die Quer; habt kein Angst davor, euch zu streiten oder anzuschweigen oder mal Notlügen zu erzählen; übernimm deinen Teil der Hausarbeit; lass deine Unterhosen nicht nach links gedreht auf dem Teppich liegen; setz dich auf der Toilette hin; kauf ihr einmal im Monat Blumen und kneif ihr einmal die Woche in den Po – der Rest bleibt dir überlassen.“ (Zitat Seite 163)

Meines Erachtens gute Ratschläge, die Mann sich zu Herzen nehmen sollte – besonders den letzten Teil. ;-)

Insgesamt erzählt „Zwei für immer“ so gut von den alltäglichen Erlebnissen und Unzulänglichkeiten, dass man direkt mit dabei ist und die Geschichte nicht unglaubwürdig wirkt. Die rosarote Brille ist ziemlich schnell weg, der Frust ziemlich schnell da, ebenso aber auch die Liebe jenseits der Verliebtheit und das Zusammengehörigkeitsgefühl in einer echten Beziehung.

Ich habe mit Ivy und Fisher gelacht, geweint, gebangt und gehofft, dass eine Familie Fisher daraus wird. Sicher war ich mir nie, denn dazu ging einfach zu viel schief und es gab zu viele störende Einflüsse. Irgendwie eher wie im richtigen Leben als in einem Liebesroman. Wo Fragen wie: „Wo verbringen wir Weihnachten?“ zu Streit und großen Beziehungskrisen führen können.

Fisher mag darüber hinaus eine Szene aus Star Wars: Das Imperium schlägt zurück besonders gerne – weshalb er bei mir wieder Bonuspunkte gesammelt hat:

„Kurz bevor Han Solo in einen Karbonitblock eingefroren wird, gesteht ihm Prinzessin Leia, dass sie ihn liebt. Und während sich Han auf sein möglicherweise tödliches Martyrium gefasst macht, sieht er Leia nur an und sagt: „Ich weiß.“....“ (Zitat Seite 73)

Tatsächlich spielt für ihn diese Filmszene sogar zweimal eine Rolle. Hach, ich hab' sie bildlich vor Augen. Was habe ich immer geheult. Dumm nur, dass sich Fisher immer wie Leia fühlt und nicht wie Han Solo...



Mein Fazit:

Unbedingt lesen – die Leiden des jungen Fisher sind amüsant, leidenschaftlich, realistisch, sarkastisch, traurig, romantisch und einfach schön. Auch Männer können tolle Liebesromane schreiben und müssen sich nicht hinter einem Frauennamen verstecken.

Kurz und bündig: Für dieses Buch gibt es völlig verdiente 5 Leselampen von mir. Mir hat es sehr gut gefallen. Ich hoffe, noch mehr von Andy Jones zu lesen.



Weitere Infos zu Buch und Autor findet ihr auf der Internetseite des Aufbau Verlages.

Ich bedanke mich beim Aufbau Verlag / Rütten & Loening für das Rezensionsexemplar.

Mensch, war ich heute fleißig, und das an einem faulen Sonntag. :-)


Deborah


1 Kommentar:

  1. Hey!
    Danke für den Tipp, den ich mir gleich notiere. Ich mag solche Bücher, die nah am echten Leben sind, ab und an mal ganz gerne. Protagonisten, bei denen nicht immer alles gut läuft und Szenen, bei denen man denkt "Hey, das hätte mir jetzt auch pasiert sein können." Hört isch richtig gut an.
    LG
    Yvonne

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